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Posts Tagged ‘Winter’

Der Wind weht nass-kalt durch die Bäume,
und verliert sich wie die Träume vor dem nächsten Neujahrsfest.

Die Grenze zwischen Morgen- und Abendrot verschwimmt,
wenn kein Vogel mehr erklingt,
sie vermeiden das verweilen,
denn wer jetzt bleibt, wird lange bleiben,
und mit seinen Fußstapfen Schneegeschichten schreiben.

Das Surren der Strommasten wird zum Schneeflockenxylophon,
bei dem der sonst so  monotone Ton,
flackert wie ein  Kerzenlicht,
das dir  Heimat und einen Halt verspricht.

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S Bahnen ziehen ihre Kreise,
im Pulsschlag der Nacht,
der Mann im Mond hat ganz leise,
dort oben sein Licht angemacht.

Ein Mädchen malt Brotkrumen aus Kreide,
in den Straßenlaternenwald,
hofft das sie zurück kommt,
irgendwann mal wenn es schneit.

Alle Ampeln liegen  schlafend,
kein Weg scheint weit,
und der kühle Raureifmorgen,
gönnt sich noch ein bisschen Zeit.

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Der Magen grummelte ein wenig. Jenny war aufgeregt und ihre Fingerknöchel ganz weiß. Ohne das sie es bemerkte, hatte sie so stark ihre Hände verkrampft, dass sie nun furchtbar schmerzten. Doch nun war es soweit. Oder etwa doch nicht?

Es muss komisch aussehen, dachte sie, denn sie stand schon mehr als zehn Minuten vor der Haustür. Seitdem hatte sie mehrmals schon probiert zu klingeln, es aber nie über sich gebracht. Einmal war sie fast soweit gewesen, dass sie den Knopf ein kleines Stück eindrückte, doch dann war alles schon wieder nicht mehr so klar, wie vor wenigen Augenblicken. Sie wusste, dass es passieren würde, doch wie und wann? Ihr war außerdem kalt und die Straßenlaternen waren bereits angeschaltet. Die Nacht brach herein und sie konnte immer noch nicht ins Haus. Verflixt, schrieb sie mit den Schuhen in den Schnee. Nach wenigen Sekunden war auch das schon wieder verweht. Langsam begannen ihre Finger wirklich zu schmerzen, dieses Mal wegen der Kälte.

Es war ein seltsamer Anblick. Da stand ein junges Mädchen vor der Wohnungstür eines Wohnblocks und lief im Kreis. Der Sattel ihrers Fahrrades war eingeschneit, ihre Mütze war unter dem Schnee kaum noch zu erkennen und der Schnee neben ihrem Wanderkreis hatte mittlerweile schon eine erkennbare Höhe erreicht. 15 Minuten waren vergangen.

Ich werde es ein andermal machen. Jenny suchte in ihrer Jackentasche nach ihrem Fahrradschlüssel und mit zittrigen Fingern versuchte sie, dass Fahrradschloss wieder aufzuschließen. Das gelang ihr auch nach einer schier unendlichen Zeit. Als sie den Sattel entschneet hatte, schob sie ihr Gefährt bis zum Gehweg und stieg auf. Sie hatte sich entschieden, den heutigen Tag verstreichen zu lassen, den heutigen Tag nicht zu nutzen, sondern wieder nach Hause zu fahren. Ist wahrscheinlich besser so.

Doch schon wenige Augenblicke nachdem sie sich durch den verschneiten Weg gekämpft hatte, wurde ihr auf einmal übel. Wie konnte das passieren? Es waren nur wenige Meter gewesen und sie sprang energisch von ihrem Fahrrad und drehte um. Schon fast ein bisschen zu energisch ‚warf‘ sie ihren Drahtesel in den Ständer, schwang das Schloss um Rahmen, Reifen und ging zielstrebig zur Tür. Dieses Mal klingelst du, du dumme Nuss.

Das war aber schwerer als genommen. Der Finger klebte am Knopf, der Kopf wollte auch, aber irgendetwas sagte ihr Nein. Die Minuten rannen dahin. Es war seltsam, dass keiner in das Haus wollte oder aus dem Inneren herauskam. Das fiel ihr aber nicht auf, hätte sie wahrscheinlich auch nur gestört. Wie weit würde man eigentlich drücken können, ohne das es klingelt?

Da war es passiert. Sie hat es getan! Nein, sie hatte sich so sehr gewünscht es würde klingeln, dass sie den Finger hob und wartend nach oben blickte. Doch es hatte nicht geklingelt, der Knopf war nicht komplett versenkt. Traurig setze sie sich auf den Türvorsprung und blickte hinaus auf den Schnee. Die kleinen Flocken die um die Lampe herumtanzten fesselten ihren Blick und langsam schienen sich auch ihre Gesichtsmuskeln zu entspannen.

Auf einmal fiel sie nach hinten. Jemand war da und hatte die Tür geöffnet. Jemand wollte hinaus und sie würde gleich mit dem Kopf aufschlagen. „Hab dich. Was machst du hier draußen?“ Auf den ersten Schreck wusste sie keine Antwort, ihre Finger zitterten, ihre Lippen waren blau angelaufen und ihre Gesichtsmuskeln mittlerweile so kalt, dass sie nicht in der Lage war ihre Miene zu verziehen. „Ich wo… ich möcht…„. Grimmig blickte sie zu Boden, wie peinlich, aber jetzt zeige ich es ihm.

Seit einem Jahr sitze ich neben dir. Wir haben mittlerweile drei Konzerte gemeinsam besucht, arbeiten in der Uni zusammen und wollen über die Weihnachtsferien in den Urlaub fahren mit unseren Freunden.“ War das alles? „Doch in diesem einen Jahr ist mir mehr klar geworden, als ich befürchtet hatte. Ich liebe dich. Deswegen stehe ich hier mittlerweile seit einer Stunde vor deiner Tür und habe mich verdammt noch mal nicht getraut zu klingeln. Meine Finger gehorchen mir nicht, es ist kalt und ich weiß nicht mehr weiter.“

Mit einem breiten Grinsen und einer Träne in den Augen nahm er ihre Hand und bat sie hinein. Die Post, die er eigentlich holen wollte, blieb im Briefkasten, morgen war auch noch ein Tag, den er nutzen konnte.

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