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Posts Tagged ‘Hartz 4’

Ein sonniger Tag, mitten in der Stadt. Es ist warm draußen, die Menschen spazieren wieder auf den Straßen und hier und da blühen ein paar Frühblüher. Ich sitze auf einer Bank, ganz in der Nähe des Rathauses. Hier finden sich an sonnigen Tagen viele Menschen ein um zu spielen, trinken, lachen oder um Sport zu treiben. Doch hier kommen auch andere Menschen hin.

Gespannt sehe ich einer Gruppe junger Leute zu, die sich in die hinteren Ecken des Parks verkrochen haben. Dieses Pack, denke ich bei mir. Doch nun interessieren mich diese sonderbaren Mitbewohner. Sie wirken friedlich, jeder hat ein Bier und sie erzählen und lachen genauso wie alle anderen – vielleicht ein bisschen lauter.

“Weeste”, spricht der eine mich an, als ich ihn abschätzig angeschaut habe. Ich wollte nach Hause gehen, da die Sonne hinter den Dächern der malerischen Kleinstadt untergehen wollte. “Meinen sie mich?”

“Jaja, dich meen ick. Wat kieknst so jeringschätzich?” Oh nein, ich wurde ertappt. Dabei habe ich doch versucht, so neutral zu blicken wie immer. Etwas muss mich verraten haben. “Ich hab doch gar nicht…” fange ich an, bevor ich unterbrochen werde.

“Na, nu komm ma ran uffn Meta. Ick seh doch, dat dit jelogn is. Bist wohl och son Fatzke der denkt, wir jammeln nur rum und uns jehts jut, wa?” Bingo, denke ich bei mir und muss innerlich grinsen. “Dit is aba nich janz die Wahrheit, kannste dir vorstelln, oda?”

Nun macht er mich neugierig. Was kann er denn damit meinen? Ich sehe doch, was vor sich geht. Ich ruhe mich aus, nach einer harten Arbeitswoche und die machen hier schon am frühen Nachmittag ihre Biere leer.

“Ick komme aus Berlin, hörste wa? Ick bin nich jerne hier, muss ick ehrlicherweise zujeben. Ick musste.” Verdutzt schaue ich ihn mir genauer an. “Wie soll ich das verstehen?”

“Komm ma her, setz dich hin und sperr die Löffel uff.” Nachdem ich Platz genommen hatte, begann die Geschichte:

“Ick war mal Lehrer an ner Schule für Behinderte. So Kinder und so. Warste da schonma drinne? Ick war da mehr als zwanzich Jahre drin. Und jut jings den Leuten, dit sach ick dir.” Angespannt blickt er in seine Bierflasche. “Dann ham se mich rausjeschmissen. Dit klingt jetzt so, wie dir dit viele berichtn würdn. Aba bei mir kommts noch dicker. Ick wurde zu der Zeit schwer krank, kannste dir vorstellen, wa? Dit hat meene damalije Frau nicht ausjehalten und is abjehaun, stand ick alleene da. Ick hatte ja nischt mehr. Bewerbung hab ick jeschrieben, bis der Drucker kaputt war, dit sach ich dir.” Mich verwundert, wie ehrlich ich diese Aussagen aufgrund des Umstandes finden kann. “Ick bin keen schlechterer Mensch, verstehste, ick hatt nur keen Glück. Nachdem ick also rausjeflogen bin, hamse mir erstmal nen Jahr lang Jeld jereicht. Dann war Schluss. Am Ende wurd ich wieder gesund, dann bekam ich Hartz4.”

Eine tragische Geschichte, da stimme ich ihm zu, doch wieso sollte mich das weiter bekümmern, schließlich ist er nicht der einzige, der seinen Job verloren hat.

“Nu pass uff. Ick komme also als jelernter Lehrer hier her und die jeben mir ne Teilzeitstelle im Werk für behinderte Kinder. Super, dacht ick. Bis die dit Ding jeschlossn haben. Nichma sechs Monate nachdem ick hier anjekommen bin. Schmeißen die mich wieder raus, die Wohnung kann ick natürlich so nich halten. Ick wohn nich uff der Straße, dit kannste wissen. Ick wohn in ner Wohnung mit drei Kumpels. Uff da Straße biste nischt mehr, da komm mehr so Leute wie du und haun immer noch feste druff. Dit is keen Leben. Aber weeste, wat so schlimm is? Ick komme hier her, weil ick musste. Ick musste her, weil die sonst meene Bezüge jekürzt hätten. Ick musste den Job hier nehmen, weil dit meen Uftrag is – für die Steuerzahla, weils doch fair is. Wesste, ick war wirklich keen dummer Kerl. Mir hat dit Spaß jemacht, bauen und so. Die Behinderten waren wenigstens nette Leute, die Fatzken vonna Verwaltung nich.”

Das war für mich auch keine neue Erkenntnis, aber ich fand es hart. Hart, weil er irgendwie mich damit hätte meinen können.

“Du kannst och wat dafür, wenn de dich ma ankiekst. Da wo wir wohnen, will keena hin. Keena will uff der Straße leben, verstehste? Keena will um nen Cent bettlen müssen oder die Zeitung verticken. Du bist immer nur der Penner, der säuft und stinkt. Und dit is nich selten, meen Freund, dit sach ick dir.”

“Weeste, ick bin ne ehrliche Haut, ick tu keenem wat. Ick wollte arbeiten, aber die wollen nich. Die suchen nach Jeld, nich nach Jerechtigkeit. Denen is egal, wer wir sind, weil wir da wohnen, wos keen Jeld zu holn jibt. Ick kenn ditte. Arbeit muss sich lohnen, ick globs och. Seit Jahrn sind se dran, neues Zeuch zu erfinden und allet leichta zu machen, am Ende stehn wa uff der Straße. Brauchen nur noch soundsoviele Leute im Werk, mich nich mehr in der Schule. Ick wollte da bleiben. Aber weeßte, zur Not, geh ick halt woanders hin. Aba nich mehr arbeiten, dit kannste verjessen. Sterben wäre jeschickt.”

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Stimmung: Gut, locker
Musik: Norah Jones – Feeling the same Way

Ich sitz hier im Dunkeln, die Nachtluft strömt ins Studio,
um mich um ist stockfinster, wie im Golf von Mexiko.
Ein langer Tag geht zu Ende und hüllt sich in Schweigen,
genau wie Frau Merkel, wenn es drum geht Verantwortung zu zeigen.

Langsam wirds kalt an Haut, Händen und Nase,
wie an der Börse nach Platzen der Blase.
Die Augen werden müde und das Denken schwerer,
ich glaube so ging es unserm Bundeshorst Köhler.

Es wird Zeit die Segel zu streichen,
so wie Hartz-IV, weniger muss reichen.
Auf gehts ins Bett, der Weg scheint lang,
vielleicht komm ich irgendwann an.

Auf dem Weg nach unten, nehm ich Stufen um  Stufen,
wie die FDP und ihren kläglichen Versuchen,
die Hoteliers zu beschenken, die Armen zu schröpfen,
vielleicht werd ich mir noch ein Bierchen köpfen.

Lieg ich in meiner Hängematte, schließe ich die Augen,
wie katholische Priester, die nicht an Schuld glauben.
Wende mein Blick zur Decke und Zweifel plagen mich.
Ändern werd ich trotzdem nichts.

Morgen gehts weiter, munter und heiter,
wie am Bohrturm sprudelt es weiter,
das Leben ist eine Melodie das wissen die meisten,
genauso wie Lobbyisten, die auf die Gesellschaft scheißen.

Die Sonne geht auf und scheint uns zu wärmen,
wie Alkohol die Schwachen und Ärmsten.
Der Alltag frisst auf, was wir alle so brauchen,
werden wie der Westen, alles was uns nicht interessiert
in der Pfeife rauchen.

Gute Nacht.

cc-by-nc-nd von Tattooed JJ (more off than on for a while)

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