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Posts Tagged ‘Abschied’

Leb dein Leben,werde glücklich,
und erinner dich an mich,
nicht an meinen Namen,
nicht an mein Gesicht,
sondern an Geschichten,
von denen du später gerne sprichst.

Was wir kriegen nehmen wir als selbstverständlich,
jedes Gefühl als im Moment unendlich,
doch was davon ist wirklich wichtig unterm Strich,
wenn du darauf zurückblickst.

Behalte mich als schemenhaften Umriss,
eher Schatten denn Gestalt,
als bittersüße Traurigkeit,
die übrig bleibt,
am Ende jeder guten Zeit.

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Was sind die besten Wörter,
für die letzten Seiten deines Tagebuchs?
Vielleicht ein „Machs gut“,
oder doch ein „Lebe Wohl“?

Da hat sich jemand  durch dein Kauderwelsch gekämpft,
mit dir die Verantwortung der ganzen Welt gestemmt,
ein Mensch, der jetzt deine Handschrift kennt,
wie seine eigene,
von dem dich nichts trennt,
außer ein Sprung in der Zeile.

Manchmal war da so ein Gefühl,
wie ganz nah verwandt,
als hätte man sich von Kind auf gekannt,
obwohl jedes Wort schon unzählige Sommer dort stand.

Nur eine Zeile ziert die sonst so weiße Tagebuchseite:
„Vergiss mich nicht, Ich liebe dich“

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Die Welt stand für einen kurzen Moment still. Um uns herum war alles regnerisch. Früher vor dem Fernseher, eingehüllt in eine Decke dachte ich immer, solche Momente gibt es nur im Fernsehen um die Menschen vor den Bildschirmen zum weinen zu bringen. Heute weiß ich, dass es solche Situationen wirklich gibt. Während alle Menschen in grau oder schwarz gekommen sind, habe ich die alten Sportsachen heraus geholt, mit denen wir immer mit den Jungs vom Fußballverein gekickt haben. Es sieht komisch aus, Stollenschuhe und rote Rosen in der Hand. Alle rümpfen die Nase, doch ich denke, dass du genau das gewollt hättest. Du warst kein Mensch, der es gerne gesehen hätte, wenn alle Menschen gleich grau und trist durch die Gegend laufen. Ich dachte mir, wenn wir uns so verabschieden, dann sollst du das schönste Bild mitbekommen, dass wir zusammen geteilt haben. Der Ball war unser Begleiter über Jahre. Als ich noch klein war, hat meine Mutter mich immer zu sich zitiert und mich belehrt, ich soll nicht soviel Zeit draußen verbringen, weil sonst meine schulischen Leistungen darunter leiden würden. Ich habe sie nie verstanden, denn es gab viel mehr zu entdecken, als muliplizieren oder die Notenlehre. Sommerferien, Winterferien, Schulfeiern und alles haben wir gemeinsam erlebt. Weißt du noch, wie wir den Lehrern manchmal derbe Streiche spielten? Wenn du mich fragst, ich würde es heute genauso noch einmal machen. Nicht weil die Lehrer besonders böse zu uns waren, nein. Sondern weil sie uns genauso Streiche gespielt haben. In der Schule und danach ist nicht alles rosig und die Welt, das kalte Pflaster dass auf jeden anscheinend wartet, ist kein Ort, auf den sie uns vorbereitet haben. Ich stehe hier in meinen durchnässten Sporthosen, leider sind meine Rosen nicht die tollsten, weil ich meinen Regenschirm vergessen habe. Aber sie duften noch ganz frisch, auch wenn sie im Moment an mir herunter hängen. Ich bin nicht in der Lage, meinen Arm zu heben und dir zu zu winken. Ich denke, dass du genau das jetzt im Moment machst. Auf keinen Fall würdest du jetzt weinen, wie all die anderen um mich herum. Ich kann es mir ein bisschen verkneifen, weil ich immer noch dein Gesicht vor mir habe, wenn wir zwischen den Rasensprengern auf dem großen Sportplatz gespielt haben. In der Schule und danach hattest du eigentlich nie Kummer. Früher konnte ich mir das niemals erklären, weil ich in meiner Familie oft gesehen habe, dass Menschen weinen müssen um sich anschließend wieder aufzurappeln. Doch bei dir war das ganz anders. Vielleicht hast du es gut versteckt, denn bis zum heutigen Tage habe ich dich immer bewundert. Du warst von Anfang an mein Held gewesen, weißt du? Wir waren wie Brüder, jeden Tag. Keine Sekunde bereue ich, auch wenn ich dafür in so mancher Mathearbeit nicht die Eins geschrieben habe, die meine Mutter gerne gesehen hätte. Doch wenn ich jetzt hier stehe und sehe, wie alle Blumen auf deinen Sarg werfen, dann wird mir schlecht. Ich weiß genau, dass du nicht wollen würdest, dass wir uns schämen wegen dir. Niemals hätten wir eine Träne wegen dir vergießen sollen. Deswegen werde ich auch nicht meine Rosen auf dein Grab werfen. Ich werde hinunter gehen zum kleinen Fluß wo wir früher Froschlaich gesammelt hatten, den wir dann in unser Aquarium getan hatten, in der Hoffnung, dass irgendwann kleine Frösche aus dem Becken springen und wir sie wieder in den Sumpf tragen könnten. Das hat auch ein paar mal geklappt, weißt du noch? Da waren wir noch kleiner. Jetzt ist das Loch in der Erde ziemlich groß geworden, in das sie dich heute herunter lassen. An dem kleinen Fluß werde ich die Rosen in den Boden stecken und daneben einen Busch pflanzen, der hinterher tolle Blütenblätter trägt. Vielleicht sehe ich auch ein paar Frösche. Vielleicht schreibe ich dir dann einen Brief und schicke ihn dir. Wie weiß ich noch nicht ganz genau, aber wenn es soweit ist wird mir schon etwas einfallen.

Meine Eltern wollen langsam los. Sie haben heute noch einen Termin. Ich will nicht mitgehen, doch sie sagen, dass sie wahrscheinlich erst sehr spät zu Hause sein werden. Sie haben mich getröstet und gesagt, ich könne nach der Schule jeden Tag vorbei kommen. Doch ich weiß genau, dass das nicht stimmt. Sie werden es mir nicht erlauben, denn ich muss ja lernen und soll nicht so lange draußen bleiben, weil man ja nie wissen kann. Im Moment reden sie auf mich ein, doch ich höre sie gar nicht. Viel lieber stelle ich mir vor, wie wir damals in der Schule die große Schneeballschlacht gewannen. Wir hatten uns auf dem großen Platz getroffen und fast die ganze Schule hat mitgemacht. Als die Lehrer kamen konnten sie uns gar nicht stoppen. Einige haben sogar mitgemacht. Das war der schönste Schultag, den ich jemals erlebt habe. In zwei Wochen geht die Schule wieder los, dieses Mal muss ich aber alleine zur Schule gehen. Meine Eltern haben gemeint, dass ich dann mit dem Bus fahren muss, doch das möchte ich nicht. Ich will lieber wieder mit dem Fahrrad durch die Wälder fahren. Wir waren immer pünktlich, kannst du dich erinnern? Jedes mal haben wir uns abgestrampelt, doch am Ende waren wir vor dem Klingeln auf unseren Plätzen. Dabei sind wir auf dem Rückweg immer wieder zum Fluß gefahren und haben Froschlaich gesammelt – oder Pokemon gespielt. Wir hatten viel Spaß zusammen. Ich habe in meiner Hosentasche einen Brief, doch den gebe ich dir erst, wenn meine Eltern kurz weggegangen sind. Sie wollen noch einmal zu deinen Eltern und mit ihnen etwas bereden. Diese Chance werde ich wahrnehmen, versprochen. Der Brief ist nicht so lang, ich glaube auch, dass er ein paar Fehler hat. Niemand hat ihn vorher gelesen, deswegen weiß ich, dass das Geheimnis bei dir gut aufgehoben ist.

Auf der Fahrt nach Hause denke ich noch oft an meinen Freund. Es ist nun mittlerweile mehrere Jahre her, dass ich als kleiner Junge an seinem Grab stand, mit meinen Sporthosen und in Stollenschuhen. Meine Eltern haben mich davor gescheltet, das mir die Ohren glühten, doch ich wollte keinen Anzug tragen. Jedes Mal wenn ich zu dem Grab zurückkehre, habe ich meine Stollenschuhe um den Hals gebunden. Sie baumeln dann links und rechts neben meinem Hals. Mein Freund wäre jetzt auch in meinem Alter. Oft sitze ich einfach nur auf der Bank, die vor seinem Grab steht. Hier kann ich mich ausruhen und habe meine Gedanken nur bei ihm. Dann kann ich entfliehen. Viele meinen, ich hätte mich in etwas verrannt und würde nur den alten Geschichten nachtrauern. Überwindung nennen es viele. Aber immer wenn sie mit diesem Thema anfangen, höre ich sie nicht – wie damals meine Eltern, die einen wichtigen Termin hatten. Den habe ich jetzt auch. Ich habe meine kleine Gießkanne am Brunnen gefüllt damit ich den Rosenbusch am Fluß gießen kann. Rote Rosen. Für die Liebe, denn dich liebe ich.

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