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Archive for the ‘Kurzgeschichte’ Category

hallo leser*in.
wenn du schon meinen zweiten auftritt hier im gesichtslosen internet liest, möchtest du mich vielleicht ein bisschen besser kennen lernen. ich bin immer noch eine fiktive person, allerdings mit einem hintergrund, wie du dir vielleicht denken kannst.

um dir ein bisschen orientierung zu geben, was mich betrifft, gebe ich dir einige hinweise, womit du dann unterscheidungen machen kannst. mit unterscheidungen „machen“ meine ich, dass du einschränken kannst, was du dir über mich denkst. ob das gut für dich ist, weiß ich nicht genau, das musst du dir selbst beantworten.

ich komme aus berlin, eine deutsche großstadt also. meinst du, das ist für dich relevant? stellst du dir die frage, wieso? eigentlich habe ich dir ja jetzt diese frage implizit schon gestellt.

beendet habe ich meine letzte nachricht damit, dass ich berichten wollte, wie ich etwas (nicht) angesprochen habe. was meine ich nun damit. als fiktive person gibt es einige freiheiten für mich. ich kann mich entwickeln, kann verschwieden und anders wieder auftauchen. deswegen kann ich dich auch warten lassen, wenn ich der meinung bin, dass ich mich noch nicht öffnen möchte. deswegen gibt es dinge, die ich anspreche, wenn ich menschen gut kenne. es gibt themen, die diskutiere ich sofort, selbst wenn die person mit der ich digital oder von angesicht zu angesicht spreche mir eigentlich noch relativ unbekannt ist. manchmal tue ich das, um weiteres sprechen vermeiden zu können. zum beispiel um nie wieder mit der person sprechen zu müssen. andererseits kann es auch für mich wichtig sein, dass die person weiß, was mich stört, was mich erregt, was mir wichtig ist und wieso ich meine meinung vertreten möchte. dir klingt das ein bisschen funktional? das mag sein, aber grenzziehung in interaktionen muss nicht schlecht sein, oder?

was gibt es für themen, die angesprochen werden könnten oder bei denen man lieber schweigt, wenn es im raum steht? zuerst gibt es verschiedene kontexte, das versteht sich fast von selbst. es gibt orte (räume) in denen es einfacher ist, über persönliches zu sprechen. das kann aber von mensch zu mensch verschieden sein. das bürgerliche ideal beschreibt häufig, dass es in einer funktionierenden kleinfamilie am einfachsten ist, über probleme zu reden. doch die realität sieht unter der oberfläche doch manchmal anders aus. tradierte ansichten von menschlichen verhaltensweisen halten sich und machen es manchmal unmöglich, mit familienmitgliedern über sensible, heikle themen zu sprechen. hier werden manche dinge weggelächelt, obwohl die innere faust geballt ist. oberflächliche, gleiche fragen werden ähnlich beantwortet. nichts neues, häufig thematisiert.

dann gibt es räume, zeitpunkte, an denen der freund*innenkreis wichtig ist, um persönliches anzusprechen. doch auch das bleibt veränderbar. je nach situation und zeit kann sich eine freund*innenschaft verändern, intimer werden oder abflauen. temporäre bekanntschaften in aktionsgruppen, seminaren, arbeitsplätzen, etc. können möglicherweise als weitere situation betrachtet werden, wo weder familiäres oder freund*innenschaftliches besprochen wird. und auch hier kann sich jede person erklären, diskutieren oder schweigen und unterdrückt werden.

wieso habe ich also (nichts) angesprochen, was mich stört. welche themen meine ich damit. vielleicht verliere ich dich auch, wenn ich dir berichte, was mich bewegt. vielleicht spreche ich mit dir, weil ich imaginiere, dass du da bist und liest, was ich erzähle. es sind persönliche themen. ich bin eine fiktive person. doch auch ich darf mich äußern, nicht wahr? vielleicht sollte ich damit beginnen, wie sich meine geschichte bis hierhin entwickelt hat, bevor ich dir erzählen kann, was mich bewegt. vielleicht ist es auch für dich einfacher, wenn du weißt, woher die ideen kommen, die in meinem kopf schwirren. wenn du möchtest, kann ich dir danach auch sagen, was es ist das mich beschäftigt. und wenn du aufmerksam gelesen hast ist dir auch schon aufgefallen, dass es mir auch hier schwer fällt, mich hier zu öffnen. meine name ist remi.

< voheriger abschnitt

– –
wenn du meine geschichte von anfang an lesen möchtest, kannst du hier ein inhaltsverzeichnis finden.

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#1 remi.

hallo. mein name ist remi.
erstmal ist es mir egal, ob du mich kennst oder nicht. ich werde dir nicht viel über mich verraten. nur soviel, dass ich dir einige dinge von mir verschweigen werde, um dir zu zeigen, warum sie nicht wichtig sind. und dann werde ich dir dinge zeigen, die mir wichtig sind, aber nicht immer begründen, warum sie dir wichtig sein sollten. aber du kannst mitdenken.

zuerst. ich sage dir nicht, welches geschlecht ich habe. es geht dich nichts an, denn ich erzähle diese geschichte. sie besteht aus zeichen, meist buchstaben. aneinander gereiht sind das wörter und sätze. daraus entstehen kurzgeschichten, die gelesen werden können. mein geschlecht spielt keine rolle. es sei denn, dir wäre es wichtig, aber was sagt das über dich aus?

ich erzähle dir an dieser stelle auch sonst nicht viel über mein aussehen. vielleicht kann sich das noch entwickeln, vielleicht bin ich unfertig oder veränderbar. vielleicht geht es dich aber auch gar nichts an, denn was würde es für dich für einen unterschied machen, wenn du dir vorstellen könntest, wie die person aussieht, die ich in meinem text darstelle? hallo hier.. ich erzähle immer noch die geschichte und erzähle dir auch, was ich nicht erzähle oder erst später entwickeln möchte.

fühl dich frei, fragen zu stellen oder mich zu berichtigen. vielleicht kann ich darauf eingehen.

was kann dich erwarten, willst du wissen. mehrwert willst du wahrscheinlich haben, als hättest du den text nicht gelesen. kann ich verstehen, irgendwas moralisches, damit es dir danach besser geht, oder weisheiten, die deinen tag bereichern. sei gewarnt, ich schreibe keine schönen geschichten. vielleicht greife ich auch dein weltbild an und nenne dinge beim namen, die dir nicht gefallen, mich aber beschäftigten. vielleicht zähle ich die bereiche des lebens und der gesellschaft auf, die ich bekämpfe und verachte und wieso es schwer ist, mich an dich zu richten. das hast du vielleicht nicht erwartet, oder? vielleicht will ich das auch nicht ändern, prinzipiell gehe ich ja auch davon aus, dass du veränderbar und unfertig bist. aber das habe ich oben ja schon erwähnt.

ich bin also eine figur und im kommenden abschnitt werde ich dir berichten, wie ich es (nicht) angesprochen habe. was ‚es‘ ist und bei wem angesprochen, das verrate ich dir später erst.

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So der erste Prosatext 😀

ich weiß  er ist nicht das  Beste, aber er wollte einfach aufs Papier. Viel Spaß dabei

Was ist eigentlich das  Warten? Meist ein erzwungenes Verharren im Moment, bis die Dinge, die man sich wünscht Wirklichkeit sind. Oft verärgert es uns, weil wir die Zeit die es verbraucht, viel besser zu nutzen gedenken als irgendwo auf  einem Stuhl mit Zeitschriften und Illustrierten, umringt von anderen Frustrierten, die genau dasselbe Schickal teilen und in dir den Grund sehen für ihr Verweilen,  weil alles was wir begehren vermeintlich begrenzt ist. Selten wird uns die Zeit geschenkt, die Menschen um uns herum so genau zu betrachten, wie die Mutter mit dem kleinen beim Kinderarzt, die unter den Augen tiefe Ringe trägt, weil ihr Sonnenschein die ganze Nacht geschrien hat und sie bei jedem Laut gedacht hat, was sie bloß tun kann. Stunde um Stunde gewacht hat bis zum Morgen, ohne auch nur einen  Gedanken an sich selbst zu verwenden. Jetzt ruht der kleine Kopf auf ihrer Brust und gleichmäßiger Atem spendet ihr Trost. Dann geht das Doktorzimmer auf und sie sieht auf einmal so viel müder aus, müder aber doch erleichtert. Jenes Gesicht, dass sie  mit allen Eltern dieser Welt gemein hat, wenn das Kind wieder ruhig im Bettchen liegt, nachdem es unentwegt geweint hat.
Oder der alte Herr mit seinem Wägelchen  und der zart knisternden Zeitung, die er  fein säuberlich aufschlägt, um sich ein Bild von der fernen Welt zu machen, die ihn damals, als seine Söhne noch klein waren, nicht interessiert hat.Jenes Alter in  dem Jungen Drachen steigen lassen und  der weiteste Horizont auf der Wiese vor dem Haus liegt. Wenn jeder Käfer eine  neue Entdeckung und  jede bunte Glasscherbe ein versunkener Schatz ist. Wie viele Sommer  sind eigentlich seit dem vergangen? Sein Blick schweift in die Ferne. ich weiß nicht, ob er wirklich daran denkt, aber es wäre schön für ihn.
Anders das Mädchen neben ihm, das mit gebeugtem Kopf da sitzt und irgendwem auf der Welt kleine Nachrichten schreibt. Vielleicht, das sie jemanden vermisst oder  gern wüsste wie das ist anstatt auf das große Glück zu warten. Dazu das ewig lange Rätselraten, was wohl der „richtige“ Weg ist.
Vielleicht besteht das Leben aus warten. Im sich die Zeit vertreiben und Pläne schmieden, im zurück schauen und verstehen, dass es immer anders kommt als man erwartet und doch am Ende irgendwie gut ist.
Ich mag es,  wenn du  sagst : „Warte mal“ , inne hälst, zwischen uns nur dieses Stückchen Welt und doch ist es dieser  Moment, der nur uns gehört, der Glück  bedeutet.

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Sowie ein Kuss aus Schwanensee,
führt deine Hand die meine Hand,
durch frisch fallenden Schnee.

Es ist als ob die Zeit still steht,
und jedes Wort wie  ein Gebet,
sich  zu Morgentau verwebt.

Es stellt sich nicht die Frage,
ob ein neuer Mond aufgeht,
weil vielleicht nichts  von uns bleibt,
ein Moment der über die Zukunft schweigt,
schenkt uns zwei Atemzüge Ewigkeit.

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Wir bestehen ein Leben lang auf unsere Freiheit,
um einen Ort zu finden,
an dem Kopf und Herz verweilt,
jenes bisschen Abhängigkeit,
die Geben und Nehmen in sich vereint.

Doch was ist damit gemeint?
Ein Verlangen, das alle Vernunft übersteigt,
ein riesiger Vertrauensbeweis,
der einem Glasherz gleich,
alles gewinnen oder alles verlieren heißt.

Oder jenes drehen im Kreis,
bei dem immer etwas auf der Strecke bleibt,
wie ein Zug am Abstellgleis,
der sein Ziel nie mehr erreicht.

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Was sind die besten Wörter,
für die letzten Seiten deines Tagebuchs?
Vielleicht ein „Machs gut“,
oder doch ein „Lebe Wohl“?

Da hat sich jemand  durch dein Kauderwelsch gekämpft,
mit dir die Verantwortung der ganzen Welt gestemmt,
ein Mensch, der jetzt deine Handschrift kennt,
wie seine eigene,
von dem dich nichts trennt,
außer ein Sprung in der Zeile.

Manchmal war da so ein Gefühl,
wie ganz nah verwandt,
als hätte man sich von Kind auf gekannt,
obwohl jedes Wort schon unzählige Sommer dort stand.

Nur eine Zeile ziert die sonst so weiße Tagebuchseite:
„Vergiss mich nicht, Ich liebe dich“

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Der Wind weht nass-kalt durch die Bäume,
und verliert sich wie die Träume vor dem nächsten Neujahrsfest.

Die Grenze zwischen Morgen- und Abendrot verschwimmt,
wenn kein Vogel mehr erklingt,
sie vermeiden das verweilen,
denn wer jetzt bleibt, wird lange bleiben,
und mit seinen Fußstapfen Schneegeschichten schreiben.

Das Surren der Strommasten wird zum Schneeflockenxylophon,
bei dem der sonst so  monotone Ton,
flackert wie ein  Kerzenlicht,
das dir  Heimat und einen Halt verspricht.

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