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Archive for the ‘Kapitalismus’ Category

Lufthansa

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Zwischen Gepäckbändern und Bonusmeilen,
muss irgendwo mein Leben sein,
das  auf zwanzig  Kilo proportioniert,
wie aufgezogen funktioniert.

Am Ankunftsterminal fallen sich immer Menschen in die Arme,
doch  ich fall nur ins  Bett und schlafe,
während  sich die Trommel der Waschmaschine dreht,
weil  nicht viel Zeit  vergeht,
bis die Reise weitergeht.

Dabei besitze ich alles was mein  Herz begehrt,
weil das  Internet einem nichts verwehrt,
und man mit Geld alles bestellen kann,
die Freude hält eh nur ein paar Stunden an.

Nur zwischen zwei Flughäfen  bleibt mir die Zeit,
ein Buch zu lesen,
Menschen zu begegnen,
ein Stückchen rationiert zu leben,
und auf jenes Wolkenland Acht zu geben,
das schon solange meine Heimat ist,
das dieser Wochenendmensch dort unten,
zum Phantom geworden ist.

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Zu oft, zu lang, zu grausam, das waren die Lehren der westlichen Welt.
Zu wichtig nahm sie sich selbst, ob in Politik mit Krieg oder Wirtschaft und Geld.
Nicht mehr belehren heißt auch selbstkritisch sein dürfen und müssen,
und nicht immer nur die Stiefel von Wissenschaftlern und Politikern küssen.

Denn nicht diese, meist weißen und reichen, Herren haben die Wahrheit gefressen,
meist sind es jene, verrucht und verräterisch, die sich und alles im Nutzen, in Nation, in Glaube nur messen.
Und ist geschürt, der rühmliche Hass auf alles andere und scheinbar Unrichtige,
kommt sie hervor, die eklige, die hässlich und grässlich wichtige
Belehrung.

_

Märkte öffnen, privatisieren,
mit modernstem Kriegsgerät aufmarschiern‘,
Renten kürzen, Konsum anregen,
die Korruption zur Tür rausfegen,
demokratischer werden auch gegen die Wähler,
ja schön brav arbeiten, immer und schneller.

_

Nicht mehr belehren.
Nicht mehr ewig den Besseren spielen,
dabei nur auf den Vorteil schielen.
Nicht mehr belehren und nicht mehr befehlen,
nie mehr herrschen und nie mehr quälen.

Mit Hilfen, mit Geldern,
mit Komissaren und Paketen,
mit Technokraten und gekauften Wählern.

Nicht mehr belehren und dabei beherrschen,
nie mehr.

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Es muss voran gehen – kein Halt ist möglich. Wir dürfen auch nicht zögern und ich verrate auch nicht, was überhaupt mit wir gemeint ist. Voran ist immer gut, es suggeriert mir und dir und „uns“, dass wir hier jedenfalls nicht bleiben können. Da wir auch nicht so zimperlich sein sollten, wäre es echt angenehm, wenn es möglich wäre, nicht nur ein wenig zu laufen, sondern möglichst schnell zu rennen. Doch – seien wir ehrlich – selbst das ist zu langsam. Einerseits wünschen wir uns Beschaulichkeit, doch in Wirklichkeit (was ist das denn schon wieder?) muss es noch ein bisschen was Neues geben.

Wie bitte? Die oben geschilderte Beschreibung ihres Lebensgefühls trifft nicht zu? Sie meinen, sie möchten nicht permanent auf dem Gleis gen temporären Ziel rasen und dabei auf der Strecke hier und da einige Fetzen Ruhe zum tanken genießen? Sie möchten mir erklären, Sie wären gerne ein wenig bescheidener und könnten auch damit leben, dass sich die Erde mal ein paar Tage ganz normal drehe. Das ist sehr löblich, doch dann wird Ihnen sicher auch schon bewusst sein, dass sie dazu leider nicht befugt sind.

Sie fragen, wer das wäre? Ich weiß nicht genau – vielleicht sind sie ja doch ein kleines Rädchen. Arbeiten ja fleißig an den zukünftigen Ersparnissen und der Rente und wer weiß – in ein paar Jahren haben sie vielleicht schon Kinder. Die müssen dann sicherlich auch bezahlt werden. Das ist alles sehr nachvollziehbar, deswegen lieber schnell rein in den Zug des Lebens. Wir halten erst später wieder, vielleicht sollten sie doch ihr Ticket lösen.

Ihnen wird klar, dass kein Mensch den Zug lenkt und sie eigentlich steuerlos sind? Ich bitte Sie, eigentlich ist alles in bester Ordnung, sie fahren doch schließlich. Bitte schnallen sie sich in den turbulenten Streckenabschnitten an und schnallen sie die Gürteil ein wenig enger – es geht ab- und vielleicht wieder aufwärts. Auf jeden Fall sollte es wieder vorwärts gehen.

Zurückgehen möchten Sie auch nicht? Was für ein Glück, scheint der Zug doch nur nach vorn zu fahren. Wie, sie überlegen soeben, dass es auch einen Rückwärtsgang geben könnte, sie meinen, mit ihren Füßen könnten sie ganz andere Wege gehen, abseits der doch ziemlich starren Schienen zum temporären Ziel? Sie meinen, sie wollen laufen – kreuz und quer und vielleicht auch einfach sitzen? Gar liegen in einer Hängematte?

Vielleicht sollten wir aussteigen, anhalten, umschauen. Dann können wir ja eine neue Landkarte malen.

Lied aus dem fahrenden Zug zu

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Entschuldigen Sie, meine feinen Herren und Damen.
Ich habe nichts zu essen, kein Dach über dem Kopf.
Ich bitt‘ sie nur um eine kleine Spende,
und entschuldigen sie mich abermals,
ich bin ein armer Tropf.

Nur ein Brot, etwas zu trinken, eine Bleibe für die Nacht.
Ich möcht sie nicht weiter stören, vielen Dank.
Ich hoffe, ich habe ihnen keine Umstände gemacht.

__

Hast du den gesehen, mein lieber Mann,
dem kann ick leider nichts geben.
Zum Glück zieht er nicht die Fliegen an,
ich muss doch auch von was leben.

Stimmt schon alles was du sagst, keine Frage.
Wir wollen doch alle noch nicht ins Grabe.
Drum sind wir lieber zu ihm gemein,
das kennen wir schon von oben.

Er wird schon finden, die himmlische Ruhe,
wir müssen uns täglich schinden.
Während er unter Brücken sein dasein fristet,
wird uns die Arbeit binden.

Drum helfen wir lieber den oben,
mit unsrer Täglich Schund,
die Armen hier unten verlieren wir
und unsre Finger sind wund.

Nicht von der Arbeit, die passiert per Computer,
nicht von der Last der Maschinen,
wir sollen heute noch kaufen und bücken
und unsre Technik bedienen.

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Geld kost‘ mein Auto, Geld frisst die Wohnung,
Geld kostet Liebe und Geld kost‘ die Schonung.
Geld kost‘ die Schule und Geld kost‘ die Arbeit.

Geld brauchen Freunde und Geld kost‘ das Essen.
Geld kostet Bildung, ohne Geld – kannst vergessen.
Geld ist ziemlich vielseitig.

Geld brauchste täglich, mehrmals und oft,
und redste nich‘ so oft über Geld
holts dich ein unverhofft.

Geld kosten Stimmen bei einer guten Wahl,
Geld kost‘ Demonstranten verjagen und verhaun‘.
Anscheinend kosten Kredite Vertrauen und Geld,

Geld kost‘ der Strom und Geld kost‘ der Tod,
Geld kannste zahlen oder bist in Not.

Geld kost‘ die Werbung, die Geld bringen soll.
Geld kost‘ das Drucken des Geldes.

Geld kost‘ der Alltag, Geld kost‘ das Besondre,
Geld kost‘ das notwendige und Geld kost‘ das spezielle.
Geld kost‘, wenns Geld kost‘.

Und weil soviel Kosten entstehen, wir weiter schön am Rädchen drehn, wird Armut nie was kosten außer Faulheit, Unvernunft, Schmarotzertum, Feigheit. Denn wärste alles nicht gewesen, hättste jetzt dit Jeld zum leben. Drum höre auf die Wirtschaftswaisen, Geld kost‘ das Leben, mit Geld kannst verreisen. Mit Geld kannste allet und och Jeschenke für die Familie, Feste, Beerdigungen, dit janz normale Telefonat zwischen zwee Familienmitgliedern. Dit kannste machen – brauchste Geld und nu erzähle mir nochmal – Geld regiert nicht die Welt.

Geld haste oder hastet nicht, darfste mitmachen oder nicht. Und wenn du jenau soviel Ged hast, wie es am besten für dich ist, dann wirste wohl allet richtig jemacht haben. Freiheit und so und Chancen nutzen – mit den Worten Papier beschmutzen. Und in Mikrofone rotzen, hör ick se reden, krieg ick dit kotzen.

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Politik ist nicht mein Ding, alle Welt nur voller Wut.
Gutbürgerliches Schweigen – stimm ein in unsren Reigen.

Kein Zetern und kein Steinewerfen, kein Aufbegehren nirgendwo.
Nur an der Kasse werde ich manchmal ungehalten.

Kann es denn sein? Schon wieder teureres Benzin?
Und dann noch das Internet zensieren, wollen mitlesen – die Schweine.

Aber Politik interessiert mich ehrlich nicht.
Wirklich, darauf können sie sich verlassen.
Ich möchte nicht zu den gehören,
die etwas lieben und etwas hassen.

Lieber schön neutral – die Positionen tauschen.
Schön brav bleiben, durch den Alltag rauschen.
Einstimmen in den Kanon der guten, alten Mitte,
rein in den Kopf, raus aus dem Mund und bitte:

Unpolitisch bleiben, das ist mittlerweile schon politisch geworden.
Ich kann mich gar nicht mehr retten, dabei will ich doch nur Ruhe.
Nichtmal das – Fernsehen, Essen, Alkohol, Rauchen, Freizeit, Demonstrieren macht krank – maulen die einen.
Kapitalismus zerstört Gemeinschaften, Länder, Beziehungen, schürt Hass, Rassismen, Nationalismen – die anderen.

Da soll ich mich jetzt positionieren, soll ich mich entscheiden?
An keinem steht ein Preisschild dran, ich sollt wohl lieber schweigen.

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cc-by rosmary

Ich will nicht mehr schreiben, wenn es doch nichts bringt.
Wieso sollte ich schreiben, wenn die Wörter nur Wörter sind?
Was hat es für eine Bedeutung, wenn sie nur gelesen werden?

Ist es nicht gerade dass, was wir nicht sagen, nicht schreiben können?
Schreiben ist egoistisch, wieso schreiben die Finger?
Sie schreiben Dinge, die schreibbar sind.

Ist das nur eine Kritik an der Schrift?
Ist es nur die Schrift?
Oder ist es mehr?

Es brennen die Finger, die wollen etwas tun,
sie wollen schreiben, dass es besser wird.
Doch was erreichen sie?

Es gibt wahrlich große Bücher, von irgendwelchen Menschen.
Sie schrieben von Freiheit, Frieden und Gerechtigkeit.
Von einer Gesellschaft, die sich nicht mehr hasst.

Doch geworden ist nichts daraus, nein.
Es gibt auch die anderen Schriften,
die nicht diese Geschichten erzählen.

Es gibt viel mehr als Schrift, Ton und Film.
Es gibt mehr als Stimmen, Tinte und Papier.
Doch wo und wie geht es?

Ich weiß es nicht, aber egoistisches Schreiben
das kann es nicht sein, das kann nicht bleiben.
Es wird doch nur weitergeschrieben.

(mehr …)

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